Haare schneidet man nicht mit dem Dönermesser, oder?

Donnerstag, 03.05.2018

Formfakten

Glosse von Titus Arnu über Friseure

Liebe Leserin, lieber Leser, vielleicht haben Sie ganz zufällig ebenfalls diese Glosse in der SZ gelesen? Spaßig, nicht? Nein! Ganz und gar nicht, findet Erwin Jahn. Und nicht nur er. Die renommierte Münchner Friseurin Dilek war ebenfalls entsetzt. Hier wird eindeutig die Grenze zwischen Ironie und Geschmacklosigkeit überschritten. Mindestens. Was meinen Sie? Erwin Jahn jedenfalls hat dem Journalisten Titus Arnu geantwortet. Hier sein offener Brief:

Sehr geehrter Herr Arnu,
vielen Dank für Ihre erfrischend ehrliche Beichte bezüglich Ihrer Friseur-Präferenzen. Ich bin überzeugt, Sie haben damit einer ganzen Reihe von Männern - wohlgemerkt, denn Frauen, wenngleich sie unter Umständen einen Döner-ähnlichen Haaraufbau tragen könnten, verlassen spätestens bei der Frage „Wie immer?“ fluchtartig jeden Laden - dass Sie also vielen Männern aus der Seele geschrieben haben.

Auch wenn ich die Hoffnung hege, dass ihr Anteil an den Lesern der SZ unterdurchschnittlich ist. Ich möchte Ihre Beichte durch einen anderen Aspekt erweitern. Und damit gleichzeitig eine Lanze brechen für all die Ahmeds und Mohameds und Dileks, die Sie, und Sie verzeihen mir diesen Hauch von Kritik, doch allzu leichtfertig über einen Kamm geschert haben. Denn damit Sie überhaupt zu einem goldenen Schnitt gelangen, müssen junge Frauen und Männer sich erst einmal mindestens drei Jahre in der Fertigkeit ihrer Scherenhände geübt haben.

Leider finden sich unter den deutschen Absolventen von Mittel-, Real- oder sonstigen Schulen heute jedoch praktisch keine reinrassigen Interessenten - und sogar kaum solche mit Migrationshintergrund der ersten oder zweiten Generation. Als Friseurmeister mit über 25jähriger Erfahrung in der Ausbildung von Friseur*innen bin ich den Ahmeds und Omars unserer Zunft deshalb außerordentlich dankbar dafür, dass sie sich mit Begeisterung und oft sehr großer Begabung einem Handwerk widmen, ohne dass wir alle bald wie unappetitliche Neanderthaler aussähen.

Auch Sie, werter Herr Arnu. Allerdings gibt es den „Cut“, den meine Auszubildenden mit türkischen, syrischen oder anderen Wurzeln während und nach ihrer Lehrzeit anbieten, nicht für 12 Euro. Und auch nicht für 20 Minuten. Immerhin sind die Köpfe unserer Kunden etwas delikater als ein Dönerspieß - die Haare werden sorgfältig und höchst professionell geschnitten, nicht gesäbelt. Übrigens: selbst wenn Sie schon 100 Mal bei uns waren, werden wir Sie nie „wie immer“ behandeln - außer auf Ihren besonderen Wunsch. Na, wie wäre es? Möchten Sie es mal statt mit dem Goldenen Schnitt mit einem Directors Cut versuchen? Ihr Erwin Jahn, Inhaber der Klosterfriseure in München-Solln.